Befestigungsgruppe Großer Pfaffenberg

Geschichte der Anlage

Die Befestigungsgruppe Großer Pfaffenberg wurde auf der höchsten Erhebung und am westlichen Hügelhang auf künstlich angelegten Terrassen gebaut. Die Bauarbeiten wurden im Jahre 1889 begonnen. Bereits zwei Jahre später waren zwei Infanteriebunker und ein Munitionsmagazin fertig. In den Jahren 1894-95 entstand ein Komplex aus zwei miteinander verbundenen und mit Panzerkuppeln ausgerüsteten Unterständen: ein Infanteriewerk und eine Panzerbatterie. Zwischen 1898 und 1900 entstand ein weiterer Infanteriebunker als auch sechs 2-Kammer-Wachen im Festungswall. Im Wall wurden auch fünf Doppelstände von fahrbaren Panzerlafetten für 5,3-cm-Kanonen lokalisiert. Wahrscheinlich in 1905 erbaute man noch einen weiteren 2-Kammer-Bunker für Sanitätszwecke und im Festungsgraben – vier Beobachtungsstände aus Stahlbeton. In den nächsten Jahren wurde die Festung elektrifiziert und es entstand ein Wachposten am Haupttor. Die gesamte Anlage war mit Gittern und einem breiten Streifen aus Stacheldrahtverhau abgesichert.

Im Februar 1945 wurde die Festung von der sowjetischen Armee eingenommen, die von hier aus die Stadt beschoss. Nach dem Krieg diente die Anlage als Lager der Polnischen Armee. In 2000 wurde die Festung an eine private Person verkauft. Die Zerstörungen nahm jedoch in weiteren Jahren schrittweise zu. Der aktuelle Eigentümer bemüht sich seit dem Jahr 2008, der Anlage wieder zu ihrem einstigen Glanz verhelfen.

Was ist besonders beachtenswert?

Ein einzigartiges Exemplar ist die Panzerbatterie mit Haubitzen – polenweit gibt es nur zwei weitere davon. In der Bunkerdecke gibt es auch vier Panzerkuppeln mit 15 cm Haubitzen, Modell 93. Diese Türme wurden im Magdeburger Grusonwerk (kurz später durch Krupp übernommen) gefertigt und waren einst sehr teure und moderne Konstruktionen. Die Feuergeschwindigkeit der Haubitzen betrug 2 Schüsse pro Minute, beim Neigungswinkel von 18 bis 32 ° – sogar 4 Schüsse. Als Munition wurden Granaten verwendet, die bis zu 7.200 Meter weit abgefeuert werden konnten. In der Bemannung der Kuppel gab es einen Unteroffizier und 4 Kanoniere.

Vermerkenswert ist auch der drehbare Panzerbeobachtungsturm, Modell 94 – ein echtes Unikat, da nur vier Stücke davon hergestellt wurden. Auf der Hauptkaserne der Infanterie wurde auch ein Panzerbeobachtungsturm, Modell 96, lokalisiert. Dieser hat eine modernisierte konische Form, die das Abprallen von Geschossen verbessert. Der darin installierte Entfernungsmesser von Zeiss erhöhte erheblich die Beobachtungsgenauigkeit.

Alle oben erwähnten Panzerkuppeln sind die einzigen von solchen Turmmodellen in Polen. Jeder Besucher muss auch unbedingt einen Spaziergang durch den unterirdischen Gang (sog. Poterne) zwischen dem Infanteriebunker (mit Beobachtungskuppeln) und der Panzerbatterie erleben. Dieser 90 cm breite und 2 m hohe Gang diente nicht nur als Verkehrsweg für die Bemannung, sondern auch als Leitungsstrang mit Sprechröhren und Telefonkabeln.

 

Besichtigung

Zuständig für den Besucherverkehr ist der Verein:

Stowarzyszenie Fort Wielka Księża Góra
Wielkie Lniska 22, 86-302 Grudziądz
Tel. +48 607 399 030, fortwkg@gmail.com
www.fortwkg.eu